Chemie in Schnullern
Oktober 2nd, 2009
Schnullerparade / Foto: A. Liebhart, pixelio.de
Bei einer aktuellen Untersuchung fand der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in zehn von zehn getesteten Schnullern die Substanz Bisphenol-A. Diese steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs hervorzurufen. Die höchste Konzentratition wurde in den Platikschirmen der Schnuller entdeckt. Sie bestanden mit einer Ausnahme aus Polycarbonat, bei dessen Herstellung Bisphenol A eingesetzt wird. In den Schildchen aus Polycarbonat zeigten sich in den Untersuchungen Konzentrationen zwischen 200 und fast 2.300 Milligramm pro Kilogramm.
Schnuller mit Bisphenol A
Getestet wurden Latexschnuller von Babysmile, Dentistar, Babylove, NUK und AVENT. Alle enthielten den schädlichen Stoff, am stärksten war die Konzentration in den Schirmen der Marken AVENT S, NUK L und Dentistar L.
Im Sauger haben die Schnuller AVENT S, Babysmile L, NUK L, Babylove L und Dentistar L den höchsten Anteil an Bisphenol A.
Hier finden Sie das Schnuller– Testergebnis von BUND als PDF-Datei.
Reaktionen auf den Schnuller-Test
“Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf hormonartige Schadstoffe wie Bisphenol A”, sagte Professor Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Berliner Universitätsklinik Charité. “Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Organen. Ist der Körper künstlichen hormonähnlichen Stoffen ausgesetzt, können diese das empfindliche Gleichgewicht der natürlichen Hormone stören.”
Mehrere Hersteller gaben an, ausschließen zu können, dass Bisphenol A im Saugteil ihrer Schnuller vorhanden ist, obwohl die BUND-Untersuchungen dies nun in Frage stellen. Einige Hersteller räumten jedoch ein, dass die Kunststoffschildchen aus Polycarbonat bestehen und daher Bisphenol A enthalten.
Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: “Wir sind schockiert, dass ausgerechnet Babyschnuller mit Bisphenol A belastet sind. Die Hersteller müssen nun klären, wie die Chemikalie in die Sauger und in die Schnuller gelangen konnte.”
Der BUND forderte die Schnullerhersteller auf, bei der Produktion der Kunststoffschilde auf Polycarbonat zu verzichten. “Es ist bekannt, dass Kinder gern alles in den Mund nehmen, das gilt auch für den ganzen Schnuller. Außerdem steht das Kunststoffschildchen beim Saugen in ständiger Berührung mit den Lippen des Kindes. In diesem sensiblen Anwendungsbereich haben hormonell wirksame Schadstoffe nichts verloren. Wir erwarten von den Firmen, dass sie ihre Produktion umstellen und künftig auf Bisphenol A verzichten”, sagte Cameron. Der BUND forderte von den Herstellern außerdem aufzuklären, wie Bisphenol A in die Sauger gelangen konnte sowie Maßnahmen, die sicherstellen, dass die Sauger zukünftig frei von Bisphenol A sind.
Weitere Informationen:


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